Ist die Glücksspielbranche in China für ausländische Investitionen vollständig gesperrt? Einblicke aus der Praxis
Meine Damen und Herren, geschätzte Investoren, die Sie sich für den chinesischen Markt interessieren – herzlich willkommen. Mein Name ist Liu, und ich blicke auf über 14 Jahre Erfahrung in der Registrierungsabwicklung für ausländische Unternehmen zurück, davon 12 Jahre bei der Jiaxi Steuer- und Finanzberatungsgesellschaft. Immer wieder stoße ich in Gesprächen mit internationalen Klienten auf eine Frage, die mit einer Mischung aus Neugier und vager Hoffnung gestellt wird: "Ist denn im Glücksspielbereich in China überhaupt etwas möglich?" Die kurze, rechtliche Antwort ist ein klares Nein. Aber wie so oft im Reich der Mitte lohnt sich ein zweiter, tiefergehender Blick hinter die Kulissen des offiziellen Verbots. Dieser Artikel soll nicht nur die klaren gesetzlichen Schranken erläutern, sondern auch die Grauzonen und indirekten Berührungspunkte aufzeigen, die für strategisch denkende Investoren von Interesse sein könnten. Denn das Verständnis eines Verbots ist der erste Schritt, um die tatsächlichen Geschäftsdynamiken in einem so komplexen Markt wie China zu begreifen.
Das rechtliche Fundament: Ein klares Verbot
Beginnen wir mit der unumstößlichen Basis: Das Glücksspiel ist in der Volksrepublik China, mit Ausnahme der beiden Sonderverwaltungsregionen Macau und Hongkong, strikt verboten. Das Strafgesetzbuch der VR China stellt das Organisieren von Glücksspielen unter Strafe. Für ausländische Investoren kommt ein weiterer, entscheidender Faktor hinzu: der „Katalog der eingeschränkten und verbotenen Branchen für ausländische Investitionen“. Dieser Katalog, der regelmäßig aktualisiert wird, listet klipp und klar die Sektoren auf, in denen ausländisches Kapital nicht investieren darf. Die Glücksspielindustrie steht dort an vorderster Stelle der verbotenen Kategorien. Es gibt keine Lizenzen, keine Experimentierzonen, keine Ausnahmen für ausländische Unternehmen. Ein Kollege von mir, der für eine große europäische Holding arbeitete, erkundigte sich vor Jahren nach Möglichkeiten für eine „unterhaltungsnahe Investition“. Nachdem wir die Rechtslage dargelegt hatten, war das Projekt vom Tisch. Das ist die Realität.
Die Philosophie dahinter ist tief in der Gesellschaft verwurzelt. Der Staat betrachtet Glücksspiel als sozialschädlich, als Quelle von Verschuldung und familiären Problemen. Daher ist die Politik nicht nur restriktiv, sondern auch präventiv. Selbst Marketing oder indirekte Werbung für Glücksspiel können auf scharfe regulatorische Gegenmaßnahmen stoßen. Diese Haltung ist absolut konsequent und lässt keinen Spielraum für Interpretationen im klassischen Sinne. Für Investoren bedeutet das: Jedes Geschäftsmodell, das auch nur im Entferntesten als Glücksspiel klassifiziert werden könnte, ist ein non-starter. Punkt.
Die Macau-Ausnahme und ihr Sonderstatus
Nun darf man die berühmte Ausnahme nicht unerwähnt lassen: Macau. Als ehemalige portugiesische Kolonie und heute Sonderverwaltungsregion besitzt Macau ein eigenes Rechtssystem, in dem Glücksspiel legal ist und den größten Wirtschaftsfaktor darstellt. Hier fließen sehr wohl massive ausländische Investitionen – denken Sie nur an die großen internationalen Casino-Betreiber aus den USA. Doch auch hier ist Vorsicht geboten. Die Konzessionen werden streng kontrolliert, und der Markt ist gesättigt. Zudem ist Macau rechtlich nicht „China mainland“. Eine Investition in Macau ist eine Investition in eine spezielle Region mit eigenen Regeln und gibt keinem Investor ein Fuß in der Tür für das chinesische Festland. Die Verbindung bleibt physisch und touristisch, nicht rechtlich übertragbar.
In meiner Beratungspraxis erlebe ich oft, dass Unternehmen hoffen, über eine Macau-Präsenz doch noch den großen Festlandmarkt zu erreichen. Das ist ein Trugschluss. Die chinesischen Behörden trennen diese Welten strikt. Geldflüsse, Marketing und sogar die IT-Systeme müssen klar getrennt sein. Ein Fall, an den ich mich gut erinnere: Ein Dienstleister für Casino-IT-Sicherheit wollte über seine Macau-Niederlassung auch Kunden in Guangdong gewinnen. Die Anfragen bei den zuständigen Behörden wurden einhellig und ohne Diskussionsspielraum abgelehnt. Der Grund: Die angebotene Technologie war primär für den Glücksspielbetrieb konzipiert und fiel somit unter das generelle Verbot.
Grauzonen: Unterhaltungstechnik und "Skill Games"
Jetzt wird es etwas diffiziler, und hier kommen die sogenannten Grauzonen ins Spiel. Das komplette Verbot bezieht sich auf reine Glücksspiele. Was ist aber mit Spielen, die ein Geschicklichkeitselement (Skill) beinhalten? Oder mit Unterhaltungssimulatoren? Die regulatorische Praxis ist hier äußerst streng und misstrauisch. Ein Spiel, bei dem auch nur ein minimales Glückselement den Ausgang bestimmen kann, wird schnell der Glücksspielkategorie zugeordnet. Es gibt keinen etablierten Rechtsrahmen für „Skill-based Gaming“ wie in einigen westlichen Märkten.
Ein praktisches Beispiel aus meiner Arbeit: Ein ausländischer Hersteller von hochwertigen Flipperautomaten und Geschicklichkeitsarcadespielen wollte seine Geräte in chinesischen Familienunterhaltungszentren platzieren. Die Geräte gaben keine Geldgewinne aus, sondern nur Tickets für Sachpreise. Dennoch mussten wir ein langwieriges Genehmigungsverfahren bei der Kulturbehörde durchlaufen, bei dem jede Spielmechanik genauestens geprüft wurde. Der entscheidende Punkt war der „Preis“. Sobald etwas mit materiellem Wert „gewonnen“ werden kann, rückt die Aktivität in die Nähe des Glücksspiels. Am Ende wurden nur die rein geschicklichkeitsbasierten Modelle genehmigt, alle anderen abgelehnt. Die Hürde ist also extrem hoch.
Lotterien: Ein staatliches Monopol
Ein weiterer kritischer Punkt sind Lotterien. China betreibt zwei staatliche Lotterien: die Welfare Lottery und die Sports Lottery. Diese sind ein vollständiges Staatsmonopol. Ausländische Beteiligungen, ob direkt oder indirekt, sind hier ausgeschlossen. Selbst die Bereitstellung von Technologie oder Dienstleistungen für den Betrieb dieser Lotterien unterliegt strengsten Sicherheits- und Zulassungsprüfungen und ist de facto für ausländische Anbieter kaum zugänglich. Versuche, über Joint Ventures oder Technologielizenzen Fuß zu fassen, sind bisher gescheitert.
Die staatlichen Lotteriebehörden entwickeln ihre Systeme in der Regel eigenständig oder kooperieren mit ausgewählten inländischen Technologiegiganten. Der Markt für Lotterie-bezogene Produkte (wie etwa bestimmte Drucker oder spezielle Papierrollen) existiert zwar, aber der Einstieg erfordert tiefe lokale Partnerschaften und unterliegt der ständigen Gefahr, dass die Behörden die Spezifikationen ändern oder den Zulieferer wechseln. Für einen ausländischen Investor ist dieses Feld ein Minenfeld aus politischen und regulatorischen Risiken, das kaum kalkulierbar ist.
Online-Bereich und technologische Blockaden
Im Zeitalter des Internets stellt sich die Frage nach Online-Glücksspiel natürlich besonders dringlich. Die Antwort der chinesischen Regierung ist eine der weltweit effektivsten Firewalls – im wörtlichen wie übertragenen Sinne. Der Zugang zu internationalen Glücksspiel-Websites wird systematisch blockiert. Werbung für Online-Casinos ist illegal. Zahlungsdienstleister wie Alipay oder WeChat Pay sind gesetzlich verpflichtet, Transaktionen zu Glücksspielseiten zu unterbinden. Das gesamte Ökosystem ist darauf ausgelegt, solche Aktivitäten zu ersticken.
Hinzu kommt die strafrechtliche Verfolgung. Organisatoren von Online-Glücksspielplattformen, die aus dem Ausland auf den chinesischen Markt zielen, werden aktiv verfolgt, und die Behörden arbeiten auch international zusammen, um diese Netzwerke zu zerschlagen. Für einen seriösen ausländischen Investor ist dieser Weg also nicht nur gesetzeswidrig, sondern auch geschäftlich suizidal. Es gibt hier keine Grauzone, sondern nur eine rote Linie.
Indirekte Chancen: Zulieferer und angrenzende Industrien
Nach all diesen restriktiven Punkten die vielleicht wichtigste Einsicht für strategische Investoren: Während der Kernbereich tabu ist, gibt es in den angrenzenden Industrien durchaus Chancen. China ist ein riesiger Markt für Unterhaltungselektronik, Hotellerie, Eventmanagement und Tourismus. Macaus Casino-Resorts benötigen hochwertige Einrichtungen, Sicherheitstechnik, Gastronomiekonzepte und Management-Dienstleistungen. Anbieter in diesen Bereichen können partizipieren, ohne gegen das Glücksspielverbot auf dem Festland zu verstoßen.
Ein konkretes Beispiel aus unserem Portfolio: Ein deutscher Hersteller von hochwertigen Hotelbetten und Wellnesseinrichtungen liefert erfolgreich an mehrere große integrierte Resorts in Macau. Sein Geschäft ist die Bereitstellung von Komfort, nicht von Glücksspiel. Ein anderes Beispiel sind Softwarefirmen, die Customer-Relationship-Management (CRM) oder Data-Analytics-Lösungen anbieten, die branchenunabhängig sind, aber auch von Unterhaltungskomplexen genutzt werden können. Der Schlüssel liegt in der strikten Trennung des Produktzwecks von der Glücksspielaktivität selbst. Man muss sein Angebot so positionieren, dass es für ein breites Spektrum der Freizeit- und Unterhaltungsindustrie relevant ist.
Langfristige Perspektive: Wird sich etwas ändern?
Zum Abschluss dieser Analyse eine persönliche, vorausschauende Einschätzung: Kurz- und mittelfristig sehe ich keine Lockerung des absoluten Glücksspielverbots auf dem chinesischen Festland. Die sozialen und politischen Gründe sind zu tief verwurzelt. Was sich jedoch ändern könnte, ist die Präzision der Regulierung für „Skill-based Entertainment“ oder für touristische Unterhaltungskomplexe, die spielerische Elemente ohne Geldgewinne integrieren. Sollte sich hier ein klar abgegrenzter Markt entwickeln, könnte der Gesetzgeber irgendwann nachziehen – aber das ist Spekulation und kein Geschäftsmodell für heute.
Für ausländische Investoren bleibt die Empfehlung: Verstehen Sie das Verbot als feste Grenzmauer. Suchen Sie nicht nach geheimen Türen darin, sondern blicken Sie auf die legalen Wirtschaftsgebiete daneben. Die eigentliche Chance liegt in der enormen Kaufkraft chinesischer Verbraucher für legale Freizeit- und Unterhaltungsangebote. In diese Richtung fließt die Energie – und dorthin sollte auch das Investment-Kapital fließen.
Fazit: Klare Grenzen, klare Strategien
Zusammenfassend lässt sich also eindeutig sagen: Ja, die Glücksspielbranche im engeren Sinne ist für ausländische Investitionen in China vollständig und ohne Ausnahme gesperrt. Dieses Verbot ist rechtlich wasserdicht, gesellschaftlich verankert und wird rigoros durchgesetzt. Die Analyse aus verschiedenen Blickwinkeln – vom Strafrecht über das Investitionskatalogrecht bis hin zur Praxis in Grauzonen und Online – bestätigt diese absolute Barriere. Die einzige legale Präsenz ausländischen Kapitals in diesem Sektor ist auf das Sondergebiet Macau beschränkt, welches jedoch kein Sprungbrett für das Festland darstellt. Für Investoren bedeutet dies, alle Hoffnungen auf ein direktes Engagement in Casinos, Sportwetten oder Lotterien auf dem Festland aufzugeben. Der strategische Fokus sollte stattdessen auf den indirekten, angrenzenden Märkten der Freizeit- und Tourismusindustrie liegen, wo beträchtliches Wachstumspotenzial bei klarem rechtlichem Rahmen besteht. Die Kunst besteht nicht darin, die Regeln zu umgehen, sondern innerhalb ihres klaren Rahmens die profitablen, nachhaltigen Geschäftsfelder zu identifizieren.
Einschätzung der Jiaxi Steuer- und Finanzberatung
Bei der Jiaxi Steuer- und Finanzberatungsgesellschaft betrachten wir das Thema aus der Perspektive der praktischen Risikominimierung und Compliance-Sicherheit für unsere Mandanten. Unsere klare Empfehlung lautet: Jedes Geschäftsvorhaben, das auch nur im Entferntesten mit Glücksspiel assoziiert werden könnte, muss einer extrem strengen Due-Diligence-Prüfung unterzogen werden. Unser Ansatz ist dreigeteilt: Erstens, eine eindeutige rechtliche Einordnung des Vorhabens anhand der aktuellsten Verbotskataloge und behördlichen Leitlinien. Zweitens, eine Analyse der Geldflüsse – jeder Zahlungsverkehr, der in Richtung eines als Glücksspiel eingestuften Aktivität geht, kann zu schwerwiegenden steuerlichen und strafrechtlichen Konsequenzen führen. Drittens raten wir dringend von kreativen Konstruktionen oder „White-Label“-Lösungen ab, die versuchen, das Verbot zu umschiffen. Die Behörden sind hier äußerst wachsam und die Strafen sind existenzbedrohend. Stattdessen unterstützen wir unsere Klienten dabei, ihre Technologie- oder Servicekompetenzen so umzuformulieren, dass sie für den breiten Markt der digitalen Unterhaltung, des E-Sports (wo reine Preisgelder im Wettbewerb stehen) oder der Freizeitparkindustrie attraktiv werden. Unser Fokus liegt darauf, legale und stabile Geschäftsmodelle aufzubauen, die langfristig im chinesischen Markt bestehen können – und das geht nur in klar erlaubten Sektoren. Die Glücksspielfrage ist für uns daher weniger eine Frage der Investitionsmöglichkeit, sondern vielmehr ein zentraler Prüfstein für die Compliance-Festigkeit und den strategischen Weitblick eines Investors im China-Geschäft.