Entwicklung der Besteuerung digitaler Vermögenswerte in China: Ein Überblick für Investoren

Meine Damen und Herren, geschätzte Investoren, die Sie sich mit dem chinesischen Markt befassen – herzlich willkommen. Mein Name ist Liu, und ich blicke auf über 12 Jahre bei der Jiaxi Steuer- & Finanzberatung zurück, wo ich ausländische Unternehmen in allen steuerlichen Belangen begleitet habe. In den letzten Jahren drängt sich ein Thema immer vehementer in unsere Beratungsgespräche: die Besteuerung digitaler Vermögenswerte. Während der globale Diskurs um Kryptowährungen und NFTs tobt, vollzieht sich in China eine ebenso spannende, aber oft unterschätzte Entwicklung. China hat einen klaren, eigenständigen Weg eingeschlagen, der weniger auf volatile private Kryptowährungen, sondern vielmehr auf staatlich gelenkte und institutionelle digitale Assets setzt. Die Frage "Entwicklung der Besteuerung digitaler Vermögenswerte in China?" ist daher keine Frage nach Bitcoin-Steuerformularen, sondern ein tiefgehendes Eintauchen in die steuerliche Rahmensetzung für einen komplett neu definierten Sektor. Dieser Artikel möchte Ihnen als Investor mit China-Fokus die Augen für diese komplexe, aber hochrelevante Thematik öffnen und die regulatorischen Pfade aufzeigen, die sich hier formen.

Der Paradigmenwechsel: Von Krypto zu staatlichen Digital-Assets

Um die steuerliche Entwicklung zu verstehen, muss man zunächst den radikalen Kurswechsel Chinas begreifen. Nach dem Verbot des Handels mit privaten Kryptowährungen hat sich der Fokus vollständig auf offiziell sanktionierte digitale Vermögenswerte verschoben. Die digitale Yuan (e-CNY) ist hier das Flaggschiff, aber bei weitem nicht das einzige Phänomen. Wir sehen die Entstehung von digitalen Sammlerstücken (oft von staatlichen Kulturerbe-Institutionen ausgegeben), tokenisierten Assets in geschlossenen Unternehmensnetzwerken und nicht zuletzt den Non-Fungible Tokens (NFTs) auf genehmigten Plattformen. Für uns als Berater bedeutet das: Die steuerliche Debatte findet nicht im luftleeren Raum statt, sondern in einem streng kontrollierten Ökosystem. Ein Fall aus unserer Praxis: Ein europäischer Kunstinvestor wollte über eine Partnerschaft digitale Editionen eines chinesischen Museums vertreiben. Die steuerliche Einordnung war heikel – handelte es sich um ein digitales Gut, eine Lizenzgebühr oder ein neues, noch nicht definiertes Asset? Diese Grauzonen sind typisch für die aktuelle Phase.

Die steuerlichen Behörden beobachten diesen Raum sehr genau, agieren aber (noch) mit einer gewissen strategischen Geduld. Es gibt keinen spezifischen "NFT-Steuererlass", aber die allgemeinen Grundsätze der Besteuerung von Einkünften aus der Übertragung von Eigentumsrechten, aus Lizenzgebühren oder aus zufälligen Gewinnen kommen zur Anwendung. Die große Herausforderung für Unternehmen liegt in der korrekten Klassifizierung der Transaktion. Verkauft man einen NFT als reines digitales Sammlerstück oder ist darin ein künftiger Nutzungsanspruch an einem physischen Gut eingebettet? Diese Unterscheidung ist steuerlich entscheidend. Meine persönliche Einsicht nach vielen solcher Fälle: Die Behörden prüfen hier mit besonderer Sorgfalt, ob Steuergestaltungsmodelle aus dem Ausland 1:1 übertragen werden sollen. Ein simples "Crypto-Tax-Modell" greift in China fast immer zu kurz.

Die e-CNY: Steuerliche Implikationen im Alltag

Die digitale Zentralbankwährung (CBDC), der e-CNY, ist der am weitesten fortgeschrittene Baustein. Aus steuerlicher Sicht ist sie zunächst einmal dem physischen RMB gleichgestellt. Das heißt, Transaktionen in e-CNY sind grundsätzlich steuerneutral als reine Zahlungsvorgänge zu behandeln. Die Revolution liegt anderswo: in der transparenten Nachverfolgbarkeit jeder Transaktion für die Steuerbehörden. Stellen Sie sich vor, ein Unternehmen zahlt Boni oder führt interne Verrechnungen in e-CNY durch. Diese Flüsse sind in einem Maße nachvollziehbar, wie es mit Bargeld oder sogar herkömmlichem Banktransfer nie möglich war. Für die Steuerverwaltung eröffnet dies völlig neue Möglichkeiten bei der Bekämpfung der Mehrwertsteuerbetrugs und bei der Prüfung von Kostenstellen.

In der Praxis erlebe ich, dass viele ausländische Geschäftsführer dies noch unterschätzen. "Ist doch nur eine andere Wallet", höre ich oft. Doch aus steuerlicher Sicht ist es ein Game-Changer für die Compliance. Ein konkretes Beispiel: Ein von uns beratenes Joint Venture experimentierte mit e-CNY-Gehältern für ausgewählte Mitarbeiter. Plötzlich wurden Fragen der korrekten Quellensteuerabzüge und der sozialversicherungsrechtlichen Anmeldung in einem neuen Licht betrachtet, weil der Zahlungsweg nun ein anderer war. Die lokale Steuerbehörde zeigte großes Interesse an diesem Pilotprojekt und bat um Erläuterungen des Prozesses. Das zeigt: Der Einsatz von e-CNY zieht automatisch die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich – was eine Chance für transparente Unternehmen, aber ein Risiko für solche mit schwachen Prozessen darstellt.

Tokenisierung von Assets: Neue Bewertungsfragen

Jenseits von rein digitalen Kreationen schreitet die Tokenisierung realer Vermögenswerte voran – denken Sie an Anteile an einem Gebäude, an Lagerbestände oder an geistigem Eigentum, die auf einer Blockchain abgebildet werden. Hier wird die steuerliche Lage besonders komplex. Der klassische Fall der "Bewertung zum Zeitpunkt der Übertragung" bekommt eine neue Dimension. Wenn ein tokenisierter Asset-Anteil zwischen zwei Parteien auf einer Plattform gehandelt wird, wie wird der steuerpflichtige Gewinn ermittelt? Ist der Handelszeitpunkt auf der Blockchain der maßgebliche steuerliche Verwirklichungszeitpunkt? In China kommt erschwerend hinzu, dass diese Plattformen oft in Pilotzonen operieren und mit speziellen regulatorischen Sandkästen arbeiten.

Aus meiner Verwaltungserfahrung ist der größte Stolperstein die Dokumentation. Die traditionelle Rechnungslegung ist für diese flüchtigen, digitalen Transaktionen nicht ausgelegt. Wir raten unseren Mandanten daher dringend, ein paralleles, detailliertes Transaktionslogbuch zu führen, das Blockchain-Hashes, Wallet-Adressen (soweit zulässig) und die zugrundeliegenden vertraglichen Vereinbarungen verknüpft. In einer Steuerprüfung kann man mit einem Stapel Papierverträge glänzen, aber wenn die digitale Spur nicht dazu passt, entstehen sofort Zweifel. Ein Mandant musste schmerzlich lernen, dass eine "Gutschrift" von tokenisierten Warenrechten in der Buchhaltung als einfacher Wareneingang verbucht wurde – die steuerliche Behandlung als Vorsteuer war damit gefährdet, weil der notwendige Nachweis der Lieferkette fehlte. Hier ist präzise Kommunikation zwischen Technikern, Buchhaltern und Steuerexperten absolut kritisch.

Die Rolle der Plattformen als steuerliche Gatekeeper

Ein zentrales Merkmal des chinesischen Ansatzes ist die Konzentration des Handels auf lizenzierte Plattformen. Diese Plattformen übernehmen de facto eine Gatekeeper-Funktion im Steuersystem. Sie sind nicht nur für die Einhaltung der AML-Vorschriften verantwortlich, sondern werden zunehmend auch in die steuerliche Meldepflicht eingebunden. In der Praxis kann das bedeuten, dass die Plattform verpflichtet ist, Transaktionsdaten bestimmter Volumina oder Muster automatisch an die Steuerbehörde zu melden. Für einen Investor bedeutet dies: Die Wahl der Plattform ist auch eine steuerliche Entscheidung. Eine seriöse, gut regulierte Plattform wird steuerkonforme Prozesse haben, während auf inoffiziellen oder grauen Märkten das gesamte steuerliche Risiko beim Investor verbleibt.

Ich erinnere mich an den Fall eines deutschen Venture-Fonds, der in ein chinesisches Tech-Startup investierte, das Mitarbeiterbeteiligungen in tokenisierter Form ausgab. Die verwendete interne Plattform war hausgemacht und hatte keinerlei Schnittstellen für steuerliche Reporting-Funktionen. Als es an den Exit ging, war das Chaos perfekt: Jeder Mitarbeiter musste seinen individuellen "Gewinn" aus dem Token-Verkauf selbst ermitteln und versteuern – eine logistische und compliance-technische Nachtmare. Hätte man von Anfang an eine Lösung gewählt, die steuerliche Aspekte mitdachte, wären immense Kosten und Reputationsrisiken vermieden worden. Die Lehre daraus: Due Diligence muss bei digitalen Assets immer die steuerliche Infrastruktur der genutzten Plattform einschließen.

Internationale Verflechtung und Transfer Pricing

Für internationale Konzerne ist das spannendste und heikelste Feld die Verknüpfung chinesischer digitaler Asset-Aktivitäten mit dem globalen Steuergefüge. Nehmen wir an, die chinesische Tochtergesellschaft entwickelt ein wertvolles, digital geschütztes Asset (z.B. einen Algorithmus oder ein Design), das als Token auf der firmeneigenen globalen Plattform gehandelt wird. Wo wird der Wert geschaffen? Wo werden die Gewinne realisiert? Dies sind klassische Transfer-Pricing-Fragen in einem neuen, hochdynamischen Gewand. Die chinesischen Steuerbehörden, insbesondere die State Taxation Administration (STA), sind sehr wachsam, wenn es darum geht, dass Wertschöpfung und damit Steuersubstrat aus China abfließen könnten.

In meiner Arbeit sehe ich hier den größten regulatorischen Nachholbedarf. Die bestehenden OECD-Richtlinien und bilateralen Abkommen sind für diese Szenarien nicht ausgelegt. Ein persönlicher Rat an unsere Mandanten: Legen Sie die Wertschöpfungslogik und die Verrechnungspreise für digitale Asset-Ströme *bevor* das Geschäftmodell live geht, in einer fundierten Dokumentation fest. Warten Sie nicht, bis die erste Steuerprüfung kommt. Wir haben für einen Automobilzulieferer ein "Digital Asset Blueprint" erstellt, das die Zuordnung von Entwicklungskosten, Marketingwert und Handelsgewinnen zwischen China, Deutschland und den USA regelte – ein aufwändiger Prozess, der aber im Nachhinein enorme Rechtssicherheit brachte. In diesem Bereich wird sich in den nächsten Jahren viel tun, und wer proaktiv ist, hat einen deutlichen Vorteil.

Ausblick und strategische Empfehlungen

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Entwicklung der Besteuerung digitaler Vermögenswerte in China nicht von einem großen, alles regelnden Gesetz geprägt ist, sondern von einer schrittweisen, praxisorientierten und kontrollierten Integration in das bestehende Steuerrechtssystem. Die Behörden lernen parallel zum Markt und setzen auf Kontrolle durch lizenzierte Infrastruktur und Transparenz. Für Investoren bedeutet dies: Abschied von den wild-west-Mentalitäten anderer Jurisdiktionen und Hinwendung zu einem strukturierten, dokumentationsintensiven und behördendialogorientierten Ansatz.

Entwicklung der Besteuerung digitaler Vermögenswerte in China?

Meine Empfehlungen sind daher: Erstens, behandeln Sie digitale Vermögenswerte in China nie als isoliertes "Crypto-Thema", sondern immer im Kontext des konkreten Geschäftsmodells (Handel, Lizenz, Zahlung). Zweitens, investieren Sie von Anfang an in eine robuste, nachvollziehbare Buchführungs- und Dokumentationssystematik für diese Transaktionen. Drittens, nutzen Sie Pilotprojekte und Gespräche mit lokalen Steuerbehörden in Sonderzonen, um Rechtssicherheit zu gewinnen – der Dialog wird hier oft honoriert. Die Zukunft wird meiner Einschätzung nach in Richtung einer differenzierten Quellensteuer auf Plattformebene und spezifischer Meldepflichten für institutionelle Player gehen. Wer sich heute darauf einstellt, ist morgen nicht nur compliant, sondern auch wettbewerbsfähig.

Einschätzung der Jiaxi Steuer- & Finanzberatung

Bei der Jiaxi Steuer- & Finanzberatung beobachten wir die Entwicklung der Besteuerung digitaler Vermögenswerte in China mit professioneller Neugier und strategischer Aufmerksamkeit. Unser zentraler Insight aus der täglichen Beratungspraxis für ausländische Unternehmen ist: Der chinesische Regulierungsansatz schafft durch seine klaren Grenzen und staatlich gelenkten Piloten paradoxerweise auch planbarere Rahmenbedingungen als manch offeneres, aber unklares Regime anderswo. Die Herausforderung liegt nicht in der Volatilität privater Kurse, sondern in der präzisen Einordnung neuer Geschäftsvorfälle in das bestehende, komplexe Steuerkorsett. Wir raten unseren Mandanten zu einem dreistufigen Vorgehen: 1. Klassifizierung (Was ist das Asset steuerlich wirklich?), 2. Lokalisierung (Wo findet die Wertschöpfung und der Steuertatbestand statt?), und 3. Dokumentation (Wie belege ich das lückenlos?). Diejenigen, die diese Systematik verinnerlichen, werden die steuerlichen Risiken nicht nur minimieren, sondern auch die regulatorische Klarheit Chinas als Wettbewerbsvorteil nutzen können, um nachhaltige und innovative Geschäftsmodelle in diesem zukunftsträchtigen Feld aufzubauen. Die Entwicklung ist rasant, aber nicht unberechenbar – sie folgt der chinesischen Logik der experimentellen Reform innerhalb roter Linien.